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Weimar- und Buchenwald-Exkursion 2016

Eine Bildungsreise durch drei Jahrhunderte

Seit einigen Jahren schon gehört der Besuch der Kulturstadt Weimar und des naheliegenden Konzentrationslagers Buchenwald zur deutsch-historischen Bildung am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium. Am Ende des Schuljahres fährt die gesamte Jahrgangsstufe Q2 für zwei Tage nach Thüringen. Am ersten Tag befanden sich die Schüler in ihren Deutschkursen, mit denen sie die Stadt besuchten und sich die Sehenswürdigkeiten ansahen. Am zweiten Tag besuchten wir die Gedenkstätte Buchenwald. Dort wurden die Schüler in ihre Geschichtskurse aufgeteilt und in Gruppen über das Gelände geführt. Zusammen kam man wieder für eine kurze Wanderung zur Mahnmalsanlage und zum Glockenturm.

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Die genauen Tagesabläufe der einzelnen Kurse differierten, da nicht alle gleichzeitig die Sehenswürdigkeiten besuchen konnten. Mein eigener Deutschkurs startete mit einer Führung im Goethe-Nationalmuseum. Dieses und das Wohnhaus Goethes befinden sich in einem Gebäudekomplex. Dieser ist in einem sehr schönen Garten eingeschlossen, den wir später für eine Pause nutzten. Die Führung übernahm eine engagierte, ältere Frau. Das Hintergrundwissen, das wir vermittelt bekamen, war umfassend und besonders der Bezug Goethes zur Stadt Weimar und zu Carl August, dem Herzog von Sachsen-Weimar, wurde umfassend dargestellt.

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Nach der Führung erhielten wir Audioguides, die uns durch das anliegende Wohnhaus führten. Es ist sehr verschachtelt und viele kleine Räume strahlen eine besondere Atmosphäre aus, die von der durchdachten Wandbemalung in verschiedenen Farbtönen unterstrichen wird. Es war sehr interessant, Goethes Büro zu sehen, denn es vermittelte einen sehr wissenschaftlichen Eindruck, mit Vitrinen, die Goethes Mineraliensammlung zeigten. Danach folgte eine kurze Pause im Garten hinter dem Wohnhaus. Bei wunderbarem Wetter hatten wir nach der Pause eine Stadtführung auf einer von den Deutschlehrern ausgearbeiteten Route, die Stationen beinhaltete, an denen die Schüler kurze Referate hielten. Solche Stationen waren zum Beispiel die Bauhausschule, das Schillerdenkmal oder Goethes Gartenhaus. Dabei erfuhren wir auch viel über die anderen Künstler Weimars, wie z.B. Herder und Wieland. Die Stationen lagen zum Teil weit voneinander entfernt und wir dürfen behaupten, sehr weit an diesem Tag gelaufen zu sein. Eine Station war auch die Anna-Amalia-Bibliothek, die leider nicht als ganze Stufe besucht werden konnte, da es eine Einschränkung der Besucherzahl gibt.
Nachdem gegen Abend die Zimmer in der Jugendherberge eingerichtet waren, hatten die Schüler die Möglichkeit, alleine die Stadt zu erkunden. Die meisten Schüler trafen sich in der Stadt, um in einem der vielen guten Cafès oder Restaurants gemütlich zu essen. Die Stadt selbst zeigte sich dabei geprägt durch ein besonderes architektonisches Flair, das von der Vergangenheit der Stadt zeugt.

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Den nächsten Tag fand ich persönlich sehr bedrückend. Wir fuhren mit dem Bus von der Jugendherberge zum KZ Buchenwald, das auf dem Ettersberg nahe Weimar liegt. Auf dem Weg fährt man durch einen Wald und nach kurzer Zeit sieht man zuerst den Bahnhof des Konzentrationslagers. Die letzte Wegstrecke wurde schon unter den Nationalsozialisten Blutstraße genannt. Bis zum Bau der Bahnstrecke mussten die Gefangenen über diese Straße zum Konzentrationslager laufen. Bei allen Schülern war die Stimmung des Vortags verflogen und es herrschte eine gewisse Anspannung. Diese rührte überwiegend von dem Hintergrundwissen, denn der Parkplatz und die großen gelben Gebäude ließen noch nicht auf das Konzentrationslager und die damit verbundenen Verbrechen schließen. Zu Beginn sahen wir einen Einstiegsfilm. Äußerst informativ verdeutlichte dieser die Geschichte Buchenwalds von 1937 bis 1945 und beantwortete schon im Voraus viele Fragen, die sich uns Schülern aufdrängten. Obwohl man die Geschichte vor Augen hatte, erschien es immer wieder unwirklich, dass Schandtaten wie diese jemals möglich waren und dass niemand eingeschritten war.

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Nach dem Einstiegsfilm wurden wir in unsere Geschichtskurse eingeteilt und über das Gelände geführt. Wir begannen am Bahnhof und gingen von dort über den Carachoweg den Weg eines Häftlings zum Tor des Lagers. Dabei erfuhren wir, dass die SS-Männer am Rande des Carachowegs verschiedene Gebäude nutzen und die ankommenden Gefangenen verhöhnten und quälten. Wir thematisierten die Täterrolle im Konzentrationslager und sahen uns dazu auch den Folterbunker an. Dieser bestand aus 26 Zellen, in denen Gefangene eingesperrt wurden. Zum Teil wurden sie an Armen und Beinen an den vergitterten Fenstern bis zum Eintreten des Todes aufgehängt. Dieser Bunker schockierte uns zutiefst. Die Führung ging weiter über das Gelände bis zum „Kleinen Lager“, in dem gerade in den letzten Kriegsjahren besonders viele Menschen unter schlimmsten Bedingungen starben. Uns wurde Zeit gegeben, das Krematorium selbst zu besichtigen. Die Öfen und der Keller, in dem die Haken angebracht waren, die die Männer der SS benutzt hatten, um Gefangene zu hängen, sprachen für sich und für uns Schüler war es gut, diese emotional sehr bewegenden Momente in Ruhe zu verarbeiten.

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Nach einer Pause bekamen wir Zeit, die neu konzipierte Ausstellung zum Lager zu besichtigen. Die Ausstellung ist zu empfehlen, da sie unglaublich viel Hintergrundwissen mit aussagekräftigen Quellen unterlegt. Zur Gedenkminute und Kranzniederlegung hatte der Geschichtsleistungskurs einen kleinen Vortrag vorbereitet. Zwei Schüler trugen ein Gedicht vor, woraufhin eine Schweigeminute folgte. Dies fand wie in den Jahren zuvor an der Gedenkplatte auf dem Appellplatz statt, auf der die Herkunftsländer der Häftlinge aufgelistet sind. Die Platte ist das ganze Jahr ca. 37° warm. Es ist die Stelle, an der schon viele Staatspräsidenten und Politiker der Opfer des Konzentrationslagers gedacht haben, z.B. Joachim Gauck und Barack Obama. Zum Abschluss wanderte der gesamte Jahrgang zum Mahnmal aus der Zeit der DDR. Es ist äußerst imposant und liegt ein wenig außerhalb des Konzentrationslagers. Herr Wagner erklärte uns, dass das Konzentrationslager von 1945 bis 1950 unter sowjetischer Besatzung als Speziallager genutzt wurde, in dem die Lebensumstände ebenso schlimm waren, wie im Konzentrationslager zuvor.

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Der Besuch des Konzentrationslagers wird uns allen in Erinnerung bleiben. Besonders auf der Rückfahrt merkte man, wie sehr er uns emotional berührt hatte und man stellte sich immer wieder die Frage, wie so etwas passieren konnte. Das Leid der Menschen ist nicht in Worte zu fassen. Auch im Unterrichtsgespräch nach der Fahrt wurden immer wieder die Gefühle und die persönliche Betroffenheit der Schüler erkennbar.

Johannes Münch, Q2