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KFG-Schülerinnen und –Schüler beim Holocaust-Gedenktag/ Paulskirche Frankfurt

„Du darfst nicht weinen, du darfst nicht lachen!“

„Du darfst nicht weinen, du darfst nicht lachen, du darfst nicht sprechen. Du musst ganz still sein.“ Zeitzeugin Aviva Goldschmidt erinnert sich bis heute an die warnenden Worte ihrer Mutter. Im Rahmen der Wanderausstellung Jewish Child Survivors, die drei Geschichts-Kurse und ein Deutsch-Kurs der Oberstufe am 27. Januar besucht haben, erzählte Frau Goldschmidt von ihren Erfahrungen als jüdische Kinder-Überlebende der Shoah:

1941 besetzten deutsche Truppen ihre Heimatstadt, das ostgalizische Boryslaw. Die damals erst Dreijährige musste sich bis zu der Befreiung der Stadt 1944 zusammen mit ihrer Mutter versteckt halten, um dem sicheren Tod zu entgehen. Als Kleinkind war sie arbeitsunfähig, wäre also von den Deutschen in ein Vernichtungslager deportiert und dort wie 1,5 Millionen andere jüdische Kinder ermordet worden.

Die von der Jewish Claims Conference und der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützte Ausstellung verleiht Kinder-Überlebenden der Nazi-Zeit eine Stimme, indem sie deren diverse Schicksale wiedergibt. Sie versucht, einen Einblick in das frühe Leiden und späteres Leben der Betroffenen zu geben. Noch lange nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten viele der Kinder-Überlebenden mit den Folgen ihrer Traumata kämpfen. Die während des Versteckens gelernte Hilflosigkeit und Abhängigkeit, das Gefühl des Verlassen Werdens, Einsamkeit, Trauer, Identitätsprobleme, Schuld und das Unterdrücken von Emotionen haben das Leben der überlebenden jüdischen Kinder geprägt.

Doch trotz der verlorenen Kindheiten konnten einige auch Motivation aus ihren tragischen Geschichten schöpfen. So auch Frau Goldschmidt, die sich, als sie in den späten 50er Jahren nach Deutschland zog, als Sozialarbeiterin bei der Zentralwohlfahrtsstelle für Juden in Deutschland e.V. engagierte.

In der sich dem Vortrag anschließenden Gedenkstunde anlässlich der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (27. Januar 1945) ging Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann dankend auf Frau Goldschmidts Arbeit ein. Da sie eine enge Kollegin seines Vaters war, kenne und schätze er sie seit über 50 Jahren.

Herr Feldmann betonte in seiner Rede die Bedeutsamkeit des Erinnerns. Gefragt, ob sie glaube, ob wir es trotz der sich dezimierenden Generation an Zeitzeugen des Holocausts schaffen können, die Geschichte wach zu halten, zeigte Frau Goldschmidt sich zuversichtlich: Im Judentum habe das Gedenken einen hohen Stellenwert und große Tradition. Obwohl sie die sich weltweit ausprägenden rechtslastigen Tendenzen beunruhigten, habe sie Vertrauen darin, dass auch folgende Generationen die Schreckenstaten der Nazi-Zeit nicht in Vergessenheit geraten lassen werden.

von Alina Schmidt (Q3 GGe1)