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Emily Golia und Linda Hu bei Steinmeier und Macron

Erlebnisbericht über die Teilnahme an “Youth for Peace” in Berlin von Emily Golia (Q1)

Der 11. November 1918 – Ein Datum, das die Geschichte Europas bis heute prägt, denn vor genau 100 Jahren endete der 1. Weltkrieg. Das ist ein Anlass, der gefeiert werden musste, deshalb sind unsere Französischlehrerin Carine Brunk, Linda Hu und ich am letzten Wochenende vom 16.11.- 18.11. nach Berlin gefahren. Zusammen haben wir am Projekt „Youth for Peace“ teilgenommen, welches zum einen 100 Jugendliche aus Frankreich und Deutschland und ihre 60 Lehrer, und zum anderen 400 Studenten aus 48 Ländern aus Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika vereint hat.

Am Freitag, den 16.11. sind wir drei ganz früh morgens mit dem ICE nach Berlin gefahren, ein toller Einstieg in das kommende aufregende und einzigartige Wochenende. Als wir dann nach unserer Reise in der Jugendherberge ankamen, wurden wir sofort von der Menschenmasse überwältigt: 100 Jugendliche, die genau das gleiche Ziel wie wir hatten, nämlich den Frieden zu bewahren und sich dafür einzusetzen. Schon von dem Moment an, wollte ich so viele Menschen, wie nur möglich kennenlernen, denn das war eine einmalige Chance.

Am späten Nachmittag sind wir alle dann auf Einladung der französischen Botschafterin mit VIP Bussen in die französische Botschaft gefahren, die direkt am Brandenburger Tor liegt. Ich war sehr aufgeregt, die Anderen besser kennenzulernen und auch auf die Botschafterin zu treffen. In der Botschaft konnten wir dann endlich durch organisierte Kennlernspiele neue Menschen ansprechen und ich bin mir sicher, manche Kontakte werden bleiben. Nach dem Kennenlernen hielt die französische Botschafterin zur Begrüßung eine Rede. Da wir aus mehreren Ländern kamen, gab es Dolmetscher, doch ich war echt stolz auf mich, dass ich alles auch so verstanden habe. Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion, in der es um den Frieden und die Beteiligung der Jugend für sein Gelingen ging. Ich war fasziniert davon, dass alle das gleiche Ziel hatten, nur unterschiedliche Wege, es zu erreichen. Wir alle waren nach diesem langen Tag sehr hungrig und freuten uns über die Einladung der Botschafterin zum Essen und „stürmten“ zum Buffet. Von Kaviar bis Gänseleber gab es alles, was das Herz begehrt und selbst den teuersten Wein hatte uns die Botschaft bereitgestellt. Ich glaube, ich habe vorher noch nie so fein gegessen!

Der zweite Tag war mindestens genauso aufregend wie der erste. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es in eine andere Jugendherberge fünf Minuten von unserer entfernt, in der wir, die  100 Botschafter für den Frieden, mit den 400 Studenten auf 20 Gruppen aufgeteilt wurden.

Linda und ich waren in der gleichen Gruppe. Die 400 Studenten aus 48 Nationen waren bereits am Mittwoch angereist und hatten sich gemeinsam mit  den Ursachen und Folgen des Ersten Weltkrieges auseinander gesetzt. Zum besseren Kennenlernen spielten wir in den Gruppen auch nochmal Spiele, die lustig, aber auch chaotisch waren. Am meisten hat mich positiv überrascht, dass manche Studenten zum Beispiel aus Israel und Palästina kamen, wo zurzeit Krieg herrscht und doch miteinander umgingen, als ob sie Freunde wären. Es gab überhaupt keine Vorurteile und ich wünschte, die Politiker der Länder könnten das auch einsehen.

In den Gruppen stellten wir uns die Frage, was überhaupt zu Krieg führt und wie man diese Probleme lösen kann. Auch wenn Dinge noch so simpel scheinen, können sie große Konsequenzen haben. Am Ende war unsere Gruppe überrascht, dass die meisten Konflikte auf Grund fehlender Bildung entstehen, was für mich, die auf ein Gymnasium in Deutschland geht, schwer zu verstehen war.

Das eigentliche Ziel der Gruppenarbeit war es, eine konkrete Idee für Friedensgarantien zu entwickeln und diese dann am Nachmittag den anderen Gruppen vorstellen zu können. Wir wussten, dass nur drei Gruppen am folgenden Tag ihre Ideen vor den zwei Präsidenten Macron und Steinmeier vorführen würden. Letztendlich konnten wir uns auf die Idee der „Pan-European Youth Office“ einigen. Diese Organisation organisiert Treffen von jungen Menschen aus ganz Europa, in denen man sich und die Kulturen anderer besser kennenlernt. Das Beste daran ist, dass man sich gemeinsam über Frieden und Krieg austauschen kann. Die Frage, wie wir das Ganze präsentieren sollten, konnte ich glücklicherweise klären, in dem ich Vorschlug einen Baum zu basteln, der in den Wurzeln die Probleme veranschaulicht, die dann in die Lösungen und die Erhaltung des Friedens übergeht und in der Baumkrone dann auf unsere Idee und ihre Ideale stößt. Ich durfte das Ganze vor der Jury präsentieren, was unheimlich aufregend war. Danach schauten Linda und ich uns gemeinsam die Ideen der anderen Gruppen an. Später abends erfuhren wir dann, dass unsere Gruppe ausgewählt wurde, am Sonntag das Projekt vor dem deutschen Präsident Frank Walter Steinmeier und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vorzustellen. Das war so cool, dass wir alle ausgerastet sind, ich konnte es gar nicht fassen!

Abends sind wir alle, sogar mit den Lehrern  in eine Disko gefahren und konnten da ausgiebig feiern. Obwohl wir alle woanders herkamen, hörten wir doch die gleiche Musik oder tanzten ähnlich. Ich habe mit so vielen unterschiedlichen Menschengruppen getanzt, gesungen und mir verschiedene atemberaubende Volkstänze angesehen, ein unvergessliches Erlebnis!

Am Sonntag fand dann die Abschlussveranstaltung statt. Wir mussten noch früher aufstehen, denn wir mussten ins Kosmos, ein Veranstaltungsort fahren, wo die Sicherheitskontrollen extrem hoch waren. Dort fand das Beste des Wochenendes statt! Wir konnten in dem riesigen Festsaal sehr gute Plätze in der 4. Reihe bekommen, sodass wir einen direkten  Blick auf die Bühne hatten. Nach der Begrüßungsrede von Frau Angrand, der Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerkes, wurde zunächst ein Video über unsere Zeit in Berlin gezeigt, in dem wir 3 zu sehen sind. Nachdem ein Orchester aus dem Balkan ein Musikstück von Mozart gespielt hatte, traf dann unter großem Jubel Präsident Steinmeier ein, dem dann die drei Projekte, die am Vortag von der Jury ausgewählt wurden, vorgestellt wurden. Ich war echt stolz auf meine Gruppe, dass wir in so kurzer Zeit so etwas geschafft haben. Nach Steinmeiers Rede, in der er um unsere Initiative bat und sich mehr Frieden wünschte, unterhielt er sich mit den drei Gruppen. Er musste jedoch kurz unterbrechen, denn Präsident Macron war eingetroffen. Als dieser dann den Saal betrat, tobten alle. Das war so ein tolles Gefühl ihn live zu sehen, einfach unvergesslich. Nach seiner Rede, in der es auch um unsere Beteiligung in der Politik ging, kamen wir endlich zum Allerbesten des Tages. Wir konnten gemeinsam ein Foto mit den zwei Präsidenten machen. Es wurde in der Tagesschau und in sämtlichen sozialen Medien veröffentlicht, da die Presse auch anwesend war und wir 3 sind gut darauf zu sehen. Nach dieser Abschlussveranstaltung wurde noch gemeinsam zu Mittag gegessen. Es hieß dann, Abschied nehmen von vielen Menschen aus ganz Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. Auf dem Weg zum Bahnhof liefen wir 3 dann mit unserem Gepäck noch ein bisschen durch Berlin und schauten uns von außen noch den Reichstag, das Abgeordnetenhaus und das Kanzleramt an.

Zum Schluss möchte ich noch einmal ganz herzlich Frau Brunk danken, die dieses einmalige Erlebnis erst ermöglicht hat. Ohne sie wären wir niemals auf die Idee gekommen, an diesem besonderen Projekt teilzunehmen. Ich habe nicht nur viele Menschen aus vielen Ländern kennengelernt, sondern auch etwas fürs Leben gelernt. Nirgends sonst hätte ich so gut sehen können, dass die Konflikte zwischen Ländern oft nur auf Problemen der Vergangenheit beruhen und dass wir Jugendliche, die die Zukunft formen, gemeinsam für den Frieden gewaltfrei kämpfen können und die Chance auf Erfolg haben. Ich weiß, dass es nicht das letzte Mal sein wird, dass ich ein solches Projekt unterstützen werde und kann alle nur dazu ermuntern, auch an solchen Projekten teilzunehmen. Diese Erfahrungen sind einmalig!

Eure Emily Golia

Q1BFR1