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Q1APW diskutiert mit Prof. Joachim Weimann (Univ. Magdeburg) und Thorsten Lenck (Agora Energiewende)

Streitgespräch zur Energiewende

Bild: Prof. Dr. Joachim Weimann

Wirft die bundesdeutsche Regierung Milliarden von Euro aus dem Fenster hinaus für eine CO2-Einsparung, die doppelt bezahlt wird, die das vermiedene CO2 nur verschiebt und die durch eine Umgewichtung der eingesetzten Instrumente  für einen Bruchteil der hart erarbeiteten Steuergelder zu erzielen wäre?

Diese Frage zu beantworten, hatte die Lerngruppe Q1BPW zwei renommierte Experten auf diesem Gebiet zum Streitgespräch gebeten: Prof. Dr. Joachim Weimann, Umweltökonom an der Universität Magdeburg und Herrn Thorsten Lenck, Leiter der Abteilung Kommunikation in der Stiftung Agora Energiewende in Berlin.

Rechts stehend:Herr Thorsten Lenck (Bildrechte: Agora Energiewende Detlef Eden)

Die Lerngruppe hatte sich mit der Energiewende beschäftigt, hier besonders mit dem Erneuerbaren Energiegesetz und war ziemlich verblüfft gewesen, auf einer Video-Plattform mit den Kurzvideos von Prof. Dr. Weimann konfrontiert zu werden. In zehn Videos behauptet Prof. Weimann unter dem Reihentitel „Nur mal kurz“ offensichtlich Ungeheuerliches:.

Die seit dem Jahr 2000 betriebene Energiewende auf der Basis des Erneuerbaren Energiegesetzes (EEG) sei im Wesentlichen eine grandiose Geldverschwendung mit nicht nur bescheidenem, sondern nahezu ohne jeden Erfolg.

Zu dieser Aussage kommt Prof. Weimann mit dem ökonomischen Maßstab der sogenannten Grenzkosten. Er stellt sich die Frage, wie teuer die nächste Einheit des angestrebten Gutes kommt. Das „Gut“ ist in diesem Fall die nächste Tonne eingespartes CO2. Lege man diese Maßzahl zugrunde, dann werde die Tonne CO2 für Hunderte bis Tausende Euro im Strom- und Verkehrsbereich eingespart.

Und das sei viel, zu viel, insbesondere, wenn man bedenke, dass gleichzeitig ein funktionierender Mechanismus vorhanden sei, mit dem man eine Tonne CO2 über viele Jahre  für 5-7 Euro, aktuell für 20-30 Euro habe einsparen können: Der Europäische Emissionshandel. Hier würden Zielkorridore festgelegt und sogenannte „Verschmutzungsrechte“ ausgegeben, die am Markt handelbar seien. Der daraus resultierende eine Preis für die CO2 Einsparung sorge als Marktmechanismus dafür, dass die Einsparung möglichst günstig möglich sei.

Die deutsche und europäische Politik jedoch habe sich entschieden, durch die Einschränkung des Emissionshandels und die Stärkung des eher planwirtschaftlichen EEG viel weniger einzusparen, als man hätte einsparen können, obwohl die Alternative nicht etwa ein noch zu realisierendes „Modell“ sei, sondern eine bestens eingeführte Realität.

Ob das so zutreffend sei, hatte sich die Lerngruppe gefragt und die Schüler Fynn Hellwig und Tom Parker hatten sich nun bemüht, einen Experten zu finden, der eine Gegenposition übernehmen könne und waren bei der „Agora Energiewende“ fündig geworden. Dieser Think-Tank ist eine Einrichtung der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation und hat die Aufgabe die Energiewende kostengünstig und effektiv ins Werk zu setzen. Der diplomierte Energie- und Verfahrenstechniker Thorsten Lenk, bei der Agora Energiewende zuständig für Strommarktdesign und erneuerbare Energien, war gerne bereit, sich in ein Streitgespräch zu begeben.

Er war der Meinung, letztlich bestehe zu Herrn Weimann kein großer Dissens. Man könne gewiss der Meinung sein, der Emissionshandel sollte eine größere Rolle spielen. Die Politik indes habe sich auf die Ausweitung der EEG-basierten Energiewende und die sektorenweise Bepreisung geeinigt. Vielfach seien die Preise für die Einsparung zu niedrig gewesen und auch mit der Ausweitung auf Bereiche, die in die Energiewende nun eingebunden seien, sei man mit der Festsetzung eines CO2-Preises ja auf einem guten Weg.

Prof. Weimann wies Herrn Lencks Versuch, ihn mit dem Verweis auf das gemeinsame Ziel „zu umarmen“,deutlich zurück. Er erneuerte seine Kritik mit dem Vorwurf, auch Herr Lenck habe den Emissionshandels-Mechanismus nicht verstanden. Die einzusparende Menge sei durch den Zielkorridor ja festgelegt und wenn der Preis niedrig sei, so sei das nicht etwa ein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen.

Herr Lenck entgegnete, Agora Energiewende müsse auf der Basis agieren, die von der Politik vorgegeben werde. Hier sei man auf einem guten Weg, den es weiter zu beschreiten gelte. In der Bevölkerung werde dieser Weg ja auch weitgehend geteilt. Daran habe nicht zuletzt „Fridays For Future“ einen erheblichen Anteil. Diese Bewegung habe gezeigt, dass in der jungen Generation nicht nur das Bewusstsein des Problems vorhanden sei, sondern dass die einstmals als unpolitisch verschrieene Jugend sich sehr wohl engagieren und auf der richtigen Seite engagieren könne.

Weitere Streitpunkte drehten sich um die Frage der Nebenschäden der Energiewende (Flächenverbrauch, Abstriche beim Umwelt- und Naturschutz wie bei den Einspruchsrechten) wie auch um die Aussagen bestimmter anderer statistischer Parameter für Erfolg oder Misserfolg von Maßnahmen.

Gelobt wurde von den Fachleuten die umsichtige und souveräne Moderation durch Fynn Hellwig und Tom Parker.

Weitere Videokonferenzen zu anderen PoWi-Themen sind in Planung.