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Jugend debattiert- zwischen Diskutieren und Lernen fürs Leben

Unter der Leitung von Herrn StR. Alexander Palchik haben unsere Schülerinnen und Schüler auch in diesem Jahr an dem Programm „Jugend debattiert“ teilgenommen, gute Leistungen erzielt und interessante Erfahrungen gemacht. Der Q2-Schüler Jona-Bennet Rübner ist als Elftplazierter im Landesentscheid der für dieses Jahr erfolgreichste Teilnehmer des KFG und Nachrücker für die Bundesausscheidung. Er schildert in einem sehr persönlichen Bericht anschaulich, was jeder gewinnen kann, der sich entschließt, hier mitzumachen. (Red.)

 Jugend debattiert- zwischen Diskutieren und Lernen fürs Leben

Bei zwei Teilnahmen hat man schon so manches erlebt: Laute Debatten, die in Chaos endeten, unterhaltsame Meinungsaustausche, eine besondere Gemeinschaft und zuletzt auch manchmal Konkurrenzkampf.

2019 habe ich zum ersten Mal an Jugend debattiert teilgenommen, also einem wettbewerbsartigen Nach-Regeln-Diskutieren. Nach der großen Überraschung, meiner Qualifikation für den Regionalentscheid, trat erstmals Unsicherheit auf. Das Debattieren in der Aula des KFG mit Menschen, sowohl unter den Mit-DebattantInnen als auch den ZuschauerInnen, die ich kannte, war mir vertraut. Doch mit lauter neuen Leuten in fremden Räumen auf einmal Teil eines großen Formates zu sein, hat mich – zugegeben – überfordert. Einige, mit denen ich mich zu Anfang des Regionalentscheides 2019 in Königsstein unterhielt, erzählten von jahrelanger Erfahrung bei Jugend debattiert. Erfahrung konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht vorweisen, aber ich habe es – wieder zu meinem Erstaunen – doch noch weiter geschafft, trotz anfänglicher Schwierigkeiten im neuen, ungewohnten Umfeld. Diese ersten Erfahrungen zeigten, dass man nicht zwingend viel „Handwerkszeug“ für den Wettbewerb braucht, und Unsicherheit schwindet mit der Zeit, Redebeiträge werden sicherer, die Argumente fließen besser, man wird überzeugender. Übung macht auch hier den Meister!

Bei einem dreitägigen Seminar, zu dem wir, die regional Erst- und Zweitplatzierten aus Hessen-Süd, zusammenkamen, lernte man sich untereinander besser kennen. Alle kamen in der Bad Homburger Jugendherberge zusammen, ich zu Fuß, während die meisten aus dem ganzen Bundesgebiet anreisten. Dort konnte man gut Leute kennenlernen, Kontakte knüpfen und auch die eigenen Fähigkeiten verbessern und das Regelwerk verinnerlichen, das glücklicherweise recht übersichtlich ist.

Selten habe ich eine schulische Veranstaltung erlebt oder gesehen, die einen nicht nur fachbezogene Theorie und Praxis lehrt, sondern Networking und guten Stil im Umgang mit Mitmenschen. Den guten Stil und die höflichen und respektvollen Umgangsformen haben die meisten verinnerlicht. Nur für wenige stand das Gewinnen um jeden Preis im Vordergrund. Trotz neuer Situationen, auch manchmal Begegnungen der komischen Art, finden die meisten DebattantInnnen schnell einen Platz in einem friedlichen und gemeinschaftlichen Umfeld. Auch Leute wie ich, die nicht immer direkt auf andere zugehen und einen Anschluss suchen, werden schnell integriert. Man kann Kontakte und Freundschaften knüpfen, auch ohne zur „extrovertierten Elite“ zu gehören. Der Wettbewerb selbst, also die Debatten, die Vorbereitung, die Nachbesprechung, waren immer lehrreich und haben Spaß gemacht. Natürlich war auch stets die Freude groß, wenn es für eine gute Platzierung reichte, aber das stand bei den meisten nicht im Vordergrund.

Wie alle Teilnehmer, fand auch ich nach einiger Eingewöhnungs- und Übungszeit eine geeignete Herangehensweise an neue Debattenthemen und deren Vorbereitung. Anfangs- und Schlussreden nicht vorzuschreiben und auswendig zu lernen, mich vor den Debatten kurz zu sammeln und alles einfach auf mich zukommen zu lassen. Anfangs war ich – wie jede/r andere – manchmal etwas unsicher, aber das legte sich. Wenn alle im Kopf die Argumente geordnet hatten, war auch stets die Atmosphäre angenehm und die Freude an den Debatten und am durchaus regen Meinungsaustausch stand im Vordergrund. Das bleibt das Wichtigste! Leistungsdruck schien mir nie ein Thema zu sein, zumindest nicht am KFG und nach meinem Eindruck auch kaum bei TeilnehmerInnen von anderen Schulen.

Alles in Allem erlernt man bei Jugend debattiert das Diskutieren, Stellungbeziehen, auch mal eine andere Meinung als die eigene zu vertreten, zuzuhören, natürlich auch andere zu überzeugen, auch das macht Spaß und gehört dazu, aber eben auch den respektvollen Umgang miteinander, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Networking, (und auch, dass Jugendherbergs-Essen nicht immer schlecht sein muss) und sicher noch andere Dinge, die jeder für sich selbst entdecken kann. Schulisch bringen diese Dinge in vielerlei Hinsicht weiter, aber auch fürs Leben gibt es einiges zu lernen, auch, wie man manchmal mit Leuten umgehen sollte, die einem um jeden Preis widersprechen…