Auf Spurensuche im Schlosspark: Schüler/-innen erforschen das verlorene Rohrhäuschen

Auf Spurensuche im Schlosspark: Schüler/-innen erforschen das verlorene Rohrhäuschen

Ausstellungseröffnung in der Orangerie im Schlosspark Bad Homburg.

Wie findet man etwas wieder, das längst verloren gegangen ist? Und welchen Wert hat ein historisches Objekt, das heute nicht mehr existiert? Mit diesen Fragen haben sich Schülerinnen und Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums Bad Homburg über mehrere Monate intensiv beschäftigt. Im Mittelpunkt ihres „denkmal aktiv“-Schulprojekts stand das ehemalige Rohrhäuschen im Schlosspark Bad Homburg. Die Ergebnisse ihrer Spurensuche präsentieren die Jugendlichen ab sofort in einer Ausstellung in der Orangerie des Schlossparks in Kooperation mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen (SG) und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das Rohrhäuschen war ein kleiner Gartenpavillon in der Nähe des großen Teichs. Es stand vermutlich bis in die 1930er Jahre in der südlichen Ecke des Schlossparks und ist heute vollständig verloren. Um seinem früheren Standort und seinem Aussehen auf die Spur zu kommen, recherchierten die Schülerinnen und Schüler historische Quellen, sichteten Fotografien und Archivbestände und setzten sich mit den Möglichkeiten und Grenzen denkmalpflegerischer Rekonstruktion auseinander. Eine historische Quelle führt dabei bis ins Jahr 1842 zurück: In einer Anordnung Landgraf Philipps wurde verfügt, das Rohrhäuschen wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen.

Forschen, entdecken und gestalten im Schlosspark

Das Projekt verband unterschiedliche Fächer und Perspektiven. Eine Garten-AG sowie mehrere Kurse der Fächer Geschichte und Kunst beschäftigten sich mit dem Schlosspark als Gartendenkmal, seiner Geschichte, seiner heutigen Nutzung und den Herausforderungen der Denkmalpflege. Bei einer Rallye erkundeten die Jugendlichen den Park als historischen Lernort. Gemeinsam mit dem Fachgebiet Gärten und Gartendenkmalpflege der SG betrachteten sie außerdem Beispiele für Rekonstruktionsarbeiten im Schlosspark, darunter die Mariannenlaube sowie historische Beet- und Wegeanlagen. Besonders unmittelbar wurde die historische Forschung bei der Beschäftigung mit dem Rohrhäuschen: Die Schülerinnen und Schüler untersuchten historische Fotografien, recherchierten in den Archiven des Schlosses und nahmen an gartenarchäologischen Grabungen vor Ort teil. Ihre Erkenntnisse dokumentierten sie und entwickelten daraus die Ausstellung, die auch Fragen nach der Zukunft historischer Gartenarchitektur und kreative Arbeiten der Jugendlichen aufgreift.

Verbindung von Geschichte, Kunst und Natur

„Denkmalpflege ist nicht im regulären Lehrplan vorgesehen, umso mehr ist das Engagement der Lehrkräfte und der Schüler hervorzuheben“, betont Philipp Ludwig, Leiter des Fachgebiets Gärten und Gartendenkmalpflege der SG. „Das Projekt verbindet Geschichte, Kunst und Natur und erschließt diese Themen für eine Altersgruppe, die sonst nur schwer zu erreichen und hierfür zu begeistern ist. Es eröffnet somit neue Perspektiven für unseren Vermittlungsauftrag.“ Auch für die beteiligten Jugendlichen eröffnete der Schlosspark neue Perspektiven. Geschichtslehrerin und Projektleiterin Isabella Michel berichtet: „Die Siebtklässler waren überrascht davon, dass ein Park so eine lange Geschichte und historisch gewachsene Gestaltungskriterien hat. Durch die Beschäftigung mit diesem Ort wurde für die Schülerinnen und Schüler sichtbar, dass sich an Gestaltung und Nutzung eines Gartens auch politische und wirtschaftliche Entwicklungen ablesen lassen. So dienten Pflanzen und Gartenflächen zunächst unter anderem der Versorgung, bevor botanische Raritäten und aufwendige Wegführungen stärker der Repräsentation dienten. Unter Kaiser Wilhelm II. rückte schließlich unter anderem der Apfelanbau wieder stärker in den Mittelpunkt. Schulleiter Jochen Henkel hob hervor: „Geschichte findet nicht nur im Schulbuch, sondern in unserer unmittelbaren Umgebung statt. Das Projekt ist ein tolles Beispiel dafür, wie Schülerinnen und Schüler selbst zu Forscherinnen und Forschern werden und damit Geschichte lebendig werden lassen. Auch der fächerübergreifende Bezug mit den diversen Werken des Kunstkurses zum Rohrhäuschen verdeutlicht, das die Verbindung von Geschichte, Kunst und Denkmalpflege dieses Projekt sehr besonders machen.“

Gemeinsamer Lernort von Schule und Denkmalpflege

Das Schuljahresprojekt wurde im Rahmen des Programms „denkmal aktiv“ durch die großzügige Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ermöglicht. Als außerschulischer Lernpartner begleiteten die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen das Projekt am Schloss Bad Homburg. 

Ausstellung kann in den nächsten drei Wochen besucht werden

Die Ausstellung macht die verschiedenen Schritte der Spurensuche sichtbar: von der historischen Recherche über die Auseinandersetzung mit dem Gartendenkmal bis hin zu kreativen Entwürfen und Zukunftsfragen. Beteiligt waren Lerngruppen der Jahrgangsstufen 5 bis 7 sowie der Oberstufe bis zum Abitur. Neben der Geschichtslehrkraft Isabella Michel wirkten die Kunstlehrkräfte Frauke Flesch, Michael Müller-Kammerinke und Margareta Poturala mit. Die Ausstellung in der Orangerie ist ab Mittwoch, den 16. September 2026, kostenlos zu den Öffnungszeiten des Schlossparks zu besichtigen.

Hier einige Eindrücke von der Ausstellungseröffnung:

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