Vier sehr gut gefüllte Abende, ein professionell wirkendes und vor Spielfreude strotzendes Ensemble und stehende Ovationen des Publikums – die Theater-AG des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums hat es wieder geschafft. Mit Carlo Goldonis Verwechslungskomödie „Der Diener zweier Herren“ verwandelten die Schülerinnen und Schüler die Aula des KFG am 30. und 31. Oktober sowie 6. und 7. November 2025 in eine Bühne voller Witz, Energie und italienischem Lebensgefühl. Unter der bewährten Leitung von Silke Herrmann gelang dem Ensemble eine Aufführung, die das Publikum gleichermaßen zum Lachen, Staunen und Miträtseln brachte – und einmal mehr zeigte, wie lebendig Schultheater sein kann.
Commedia dell’arte trifft Spielfreude
Carlo Goldonis Klassiker lebt vom rasanten Spiel der Verwechslungen: eine Liebende, die sich als ihr toter Bruder ausgibt, ein vor der Justiz flüchtender Bräutigam, ein Vater, der seine Tochter zu verkuppeln versucht, und mittendrin ein Diener, der sich in den Dienst gleich zweier Herren stellt. Das KFG-Ensemble meisterte diese turbulente Handlung mit Präzision und Humor – ganz im Geist der Commedia dell’arte, aber mit einer frischen, modernen Note.
Anton Kaucher als komödiantisches Zentrum
Zum Publikumsliebling entwickelte sich schnell Anton Kaucher (9ac) in der Rolle des Dieners Truffaldino. Mit unerschöpflicher Energie, mimischem Talent und feinem Gespür für Timing brachte er den Saal immer wieder zum Lachen. Ob in halsbrecherischen Szenenfolgen oder leisen Momenten der Verzweiflung – Kaucher gelang es, die Figur zwischen Schelmerei und Sympathie zu balancieren. Auch die Zuschauer waren vor einer plötzlichen Miteinbeziehung nie ganz gefeit, so durchbrach er immer wieder die „vierte Wand“ zum Publikum. Seine komödiantische Leistung war ein Höhepunkt jeder Vorstellung. An seiner Seite überzeugten Elisabeth Hirsch (Q1) als entschlossene Beatrice Rasponi, die in Männerkleidung das Spiel der Masken anführt, und Luis Mao (Q1) als ihr leidenschaftlicher Verlobter Florindo. Christian Thomasius (Q3) mimte den reichen Kaufmann Pandolfo und setzte seine Körpergröße präsent und teils bedrohlich passend zur Rolle ein. Fabienne Hornuf (E1) und Max Rosewich (9b1) verkörperten das junge Liebespaar Rosaura und Silvio mit viel Charme, während Ludwig Berggötz (9ac) den geldgierigen Wirt Tebaldo komödiantisch spielte und sogar mit hervorragender Gesangsstimme versah. In weiteren Rollen traten noch Lucie Holzner (9b1) als Bedienstete Blandina, Alexander Kutarba (Q1) als gelehrter Doktor Lombardi und Miroslava Riznyk (Q1) als die Angestellte Colombina auf.
Bühnenzauber in Venedig – dank Familientradition
Wie schon in den Vorjahren staunte das Publikum über das aufwendig gestaltete Bühnenbild, das die Eltern von Silke Herrmann mit viel Liebe zum Detail eigens in Bad Homburg aufbauten. Ihre Anreise ist inzwischen selbst Teil der Theatertradition geworden. Doch auch die Eltern der Mitwirkenden unterstützen stets an allen Abenden während der Pausen bei der Bewirtung der Zuschauer mit großem Engagement und viel Herzlichkeit – ein Zeichen dafür, wie sehr das Engagement für die KFG-Produktionen auch über Generationen hinweg trägt.
Teamgeist hinter den Kulissen
Neben der Spielfreude auf der Bühne beeindruckte die technische Umsetzung. Die Technik-AG unter der Leitung von Thomas Bühl sorgte für perfekt aufeinander abgestimmte Mikrofone, präzise Lichtwechsel, genau getimte Toneffekte und fließende Szenenübergänge. Ohne diese stille, aber unverzichtbare Arbeit wäre der professionelle Gesamteindruck des Abends kaum denkbar gewesen.
Eine Tradition, die lebt
Seit vielen Jahren prägt Silke Herrmann die Theaterarbeit am KFG – und mit jeder Produktion wächst der Enthusiasmus der Mitwirkenden. Ihr gelingt es, Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Jahrgängen zu einem harmonischen Ensemble zusammenzuführen, das Verantwortung übernimmt, Grenzen ausprobiert und über sich hinauswächst. Besonders bemerkenswert: Fünf von ihnen standen in diesem Jahr erstmals auf der Bühne und bestanden ihre Feuertaufe mit Bravour!
Nach vier gefeierten Vorstellungen bleibt nicht nur der Applaus in Erinnerung, sondern auch das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein – für alle Beteiligten wie für das Publikum. „Der Diener zweier Herren“ zeigte eindrucksvoll, was Theater an einer Schule bewirken kann: Gemeinschaft, Ausdruck, Leidenschaft und die Freude am Spiel.
