Acht Schülerinnen und Schüler des Abijahrgangs hatten sich nach einem Auswahlprozess für die Teilnahme an der Konferenz qualifiziert.
„Echt cool“! sagt einer der teilnehmenden Schüler spontan, als ihm auffällt, dass im Titel der „Bad Homburg Conference“ des Jahres 2025 „Die Verfassung der Welt. Recht und Macht in der internationalen Politik“ des Forschungskollegs Humanwissenschaften das Wort Verfassung in einem durchaus zwiefältigen Sinne verstanden werden kann: Zum einen ist es das Rechtsinstitut der „Verfassung“, das eine gewisse Richtung der Völkerrechtler für die UN-Charta durchaus reklamieren will – normative Grundprinzipien, institutionelle Strukturen, Hierarchie der Normen -, was andere Völkerrechtler jedoch heftig bestreiten – keine demokratische Legitimation und z.B. selektive Durchsetzungsmechanismen. Zum anderen könnte man Verfassung auch alltagssprachlich verstehen: als eine Art Befinden, als ein wertbezogener Zustand und dann könnte man feststellen, dass sich der Konfliktlösungsmechanismus der UN-Charta gegenwärtig in einem Zustand der Paralyse befindet, weil auf der Ebene des Sicherheitsrates keine Resolution gegen eine der fünf Vetomächte durchsetzbar ist.
Wo landen wir also mittelfristig? Kann sich die UN wieder erholen und erneut die Rolle spielen, von der manche sagen, sie habe zumindest zeitweise zur Herstellung oder zum Erhalt des Weltfriedens beigetragen? Oder wird sich nach einem gewissen Diskussionsprozess eine Reform der UN ergeben, die einen neu zusammengesetzten Sicherheitsrat oder die Generalversammlung zu einem allseits anerkannten, weil als effizient und gerecht angesehenen Entscheidungsgremium umformen wird? Oder werden wir zurückgeworfen auf ein System des außenpolitischen „Realismus“, in dem allemal die „big stick diplomacy“ die Verfahrensvereinbarung der Charta entweder unterstützen wird, wenn es den dominierenden Mächten in den Kram passt oder in der sich außerhalb der UN-Charta „Koalitionen der Willigen“ bilden, die das durchsetzen, was sie machtpolitisch durchzusetzen in der Lage sind? Mittlere und kleinere Akteure müssen sich dann überlegen, ob sie sich zu ökonomischen und militärischen Einheiten zusammenschließen, die selbst einen Unterschied machen, ob sie sich bei einem der Großen unter Inkaufnahme eines Vasallenstatus „unterstellen“ oder ob sie versuchen, einen neutralen Status einzunehmen, weil sie das Schicksal der Melier nach der Darstellung des griechischen Historikers Thukydides nicht kennen oder ignorieren.
Keine Gefahr also, dass es bei dieser vom Forschungskolleg Humanwissenschaften, der Stadt Bad Homburg und dem Frankfurter Peace Research Institute veranstalteten Konferenz unter Mitwirkung hochrangiger Referenten aus ganz Deutschland bis hin nach Oxford langweilig werden sollte.
Acht Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs hatten sich nach einem Auswahlprozess für die Teilnahme an der Konferenz qualifiziert. Und es sollte sich lohnen, ist doch die Frage internationaler Konfliktregelung zentrales Thema des Politik und Wirtschafts-Unterrichts in diesem Schulhalbjahr. Hier die Einschätzung der beteiligten Schülerinnen und Schüler:
Marie Vorhauser: „Die Atmosphäre der Konferenz war ausgesprochen angenehm und locker. Gespräche ließen sich problemlos beginnen, sowohl auf analytisch-theoretischer Ebene zu aktuellen Themen der internationalen Politik und des Rechts als auch im Small Talk während der Kaffeepausen.“
Christian Thomasius: „Es war ein schöner Tag, ein Tag der uns allen neue Ideen und Perspektiven über die Verfassung der Welt gab.“
Martin Kaucher und Britney Poon: „Ob eher optimistisch oder pessimistisch, in einem waren sich sie Experten einig: Sie alle hielten ein Plädoyer für die Europäische Union, die Zusammenarbeit mit den Staaten, die bislang vernachlässigt werden, und ein weitergedachtes Völkerrecht.“
Vincent Boché und Elina Dormann: „Die internationalen Regeln müssen sich ändern, da weite Teile sich zu Recht benachteiligt sehen (BRICS+). Denn aktuell fehlt der „Pathway to participation“ für diese Länder und für viele nicht mitgenommene Menschen. (…) Europa kann nur dann Großmachtpolitik (auf Augenhöhe mit China oder den USA) betreiben, wenn es geeint ist.“
Valentin Vanek: „Bei der Konferenz beschäftigten wir uns mit der Frage, ist die UN überhaupt der richtige Ort für die Frieden Stiftung auf internationale Ebene? (…) [Man könnte sich ja auch die Frage stellen], ob die UN nicht von Anfang an gescheitert war.“
Elisabeth Herget: „Uns wurden Zukunftsprognosen vorgestellt, dabei veranschaulichten verschiedene Szenarien mögliche Autoritätsformen, die Kriegsträchtigkeit sowie das Ausmaß von staatlicher Souveränität.“
Das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium bedankt sich beim Forschungskolleg Humanwissenschaften für die Gelegenheit zu einer so besonderen Erfahrung.
