Maya Hening, Schülerin im Französisch-Leistungskurs der Einführungsphase am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium, gehörte mit nur 15 Jahren zu den vier Finalistinnen des Preises der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) und wurde am 22. Januar, anlässlich des Jahrestages des Élysée-Vertrags, im Kaisersaal des Frankfurter Römers im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung geehrt. Dort stellte sie einen Auszug aus ihrer Arbeit vor. Besonders bemerkenswert: Ihre schriftliche Arbeit wurde von der Jury als die beste des gesamten Wettbewerbs bewertet. Betreut wurde Maya von ihrer Französischlehrerin Laura Martini, die sie zur Teilnahme am Wettbewerb ermutigt hatte.
Maya entschied sich für dieses Thema, weil sie Laizität nicht als abstrakten politischen Begriff, sondern als konkrete Erfahrung im Alltag junger Menschen wahrnimmt. Besonders die Schule erschien ihr als zentraler Ort, an dem sich Fragen von Zugehörigkeit, Neutralität und persönlicher Identität verdichten. Mit ihrem Text möchte sie zeigen, wie solche Spannungen oft leise entstehen – ohne offene Konflikte, aber mit spürbaren Auswirkungen auf das individuelle Erleben. In ihrem Text „La laïcité au quotidien“ nähert sich Maya dem französischen Prinzip der Laizität aus der Perspektive eines Jugendlichen im Schulalltag. Ausgangspunkt ist eine Szene während der Gedenkfeier zum 11. November: Der Protagonist David trägt eine Kippa, berührt sie in der Tasche – ein kleines Detail, das einen inneren Konflikt sichtbar macht. Ohne Verbote oder offene Ablehnung entsteht eine Spannung zwischen persönlicher Identität und der Erwartung von Neutralität im öffentlichen Raum der Schule.
Anhand dreier Alltagssituationen – in der Mensa, im Sportunterricht und im stillen Rückzug – zeigt der Text, wie Ausgrenzung nicht laut oder bewusst erfolgen muss, sondern auch leise und strukturell wirken kann. Die Schule erscheint dabei als Spiegel gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse: als Ort, an dem Gleichheit angestrebt wird, Unterschiede jedoch nicht einfach verschwinden. Der Text verzichtet bewusst auf einfache Antworten und endet mit einer offenen Frage: Wie kann man gemeinsam leben, ohne sich selbst aufzugeben?
Damit macht Mayas Arbeit sichtbar, dass Laizität im Alltag weniger eine juristische Regel ist als eine gelebte Erfahrung. Sie fragt nicht, was Laizität verbietet, sondern was sie mit Menschen macht – und lenkt den Blick auf die leisen Spannungen und unausgesprochenen Erwartungen, die unser Zusammenleben prägen.
Wir gratulieren Maya ganz herzlich zu Ihrer tollen Leistung!
