Mut sammeln und an Geschichten erinnern – Lesung mit Stefanie Taschinski

Mut sammeln und an Geschichten erinnern – Lesung mit Stefanie Taschinski

Am 17. September erlebten die Schülerinnen und Schüler des 6. Jahrgangs am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium eine ganz besondere Begegnung mit Literatur: Die Kinder- und Jugendbuchautorin Stefanie Taschinski war zu Gast und las aus ihrem neuen Roman „Die Mutsammlerin“.

Bereits zur Begrüßung wurde die Bedeutung des Lesens und der Leseförderung am KFG hervorgehoben. Schulleiter Jochen Henkel stellte die Lesung als wichtigen Baustein des Deutschunterrichts heraus: Literatur soll nicht nur im Unterricht gelesen und besprochen werden, sondern auch durch die persönliche Begegnung mit einer Autorin lebendig werden.

Und lebendig wurde die Lesung tatsächlich: Stefanie Taschinski las nicht einfach aus ihrem Buch vor, sondern nahm die Schülerinnen und Schüler mit in die Welt ihrer Geschichte. Im Mittelpunkt steht die zwölfjährige Emmi, die in den Ferien eine neue Freundin kennenlernt. Bianca hat dunkle Haut – und genau das finden einige Jungen aus der Nachbarschaft nicht gut. Als es schließlich zu einem Übergriff kommt, steht Emmi vor einer schwierigen Frage: Muss sie nicht zu ihrer Freundin halten? Und warum ist es trotzdem so schwer, mutig zu sein?

Eine zweite Geschichte führt in die 1930er- und 1940er-Jahre. Emmi entdeckt auf dem Dachboden ihrer Großeltern ein altes Tagebuch ihrer Ururgroßmutter Elsa. Sie erfährt von einer Zeit, in der Menschen, die sich gegen die Nationalsozialisten stellten, großen Gefahren ausgesetzt waren. Auch Elsa braucht Mut – und findet ihn. Der Roman verbindet damit Emmis Geschichte aus der Gegenwart mit einer historischen Familiengeschichte.

Besonders viel Zeit nahm sich die Autorin, um mit den Schülerinnen und Schülern über die Entstehungsgeschichte des Romans zu sprechen. Stefanie Taschinski erklärte, dass sie sich bei ihrem Roman zwar auf historische Ereignisse und überlieferte Geschichten stützen kann, aber als Autorin zugleich die Freiheit habe, literarische Elemente zu gestalten und zu erfinden. So wurde deutlich, wie aus historischen Spuren und persönlichen Geschichten ein literarischer Roman entstehen kann.

Die Lesung entwickelte sich schnell zu einem lebendigen Gespräch. Besonders beeindruckend war das historische Vorwissen einiger Schülerinnen und Schüler. Obwohl die Kinder erst zehn oder elf Jahre alt sind, konnten viele bereits eigene Erfahrungen mit der Geschichte des Nationalsozialismus einbringen. Einige hatten mit ihren Familien Konzentrationslager oder Gedenkstätten besucht, andere hatten zu Hause mit Eltern oder Großeltern über diese Zeit gesprochen, wieder andere berichteten von historischen Fundstücken, die sie in Kellern oder an Orten in ihrer eigenen Wohnumgebung entdeckt hatten.

Damit wurde die Geschichte, von der Stefanie Taschinski erzählt, für die Kinder mit ihrer eigenen Lebenswelt verbunden. Die Lesung war deshalb nicht nur ein wichtiger Baustein der Leseförderung, sondern zugleich ein Beitrag zur Erinnerungskultur am KFG. Wie nachhaltig die Begegnung wirkte, zeigten auch einige Rückmeldungen: Eine Schülerin brachte den Gedanken treffend auf den Punkt: Von der damaligen Zeit zu hören, prägt – denn so etwas darf sich nicht wiederholen.

Wir bedanken uns herzlich bei Stefanie Taschinski für diese besondere Begegnung und für den offenen Austausch mit unseren Schülerinnen und Schülern. Die Lesung zeigte nicht nur, wie spannend Geschichten sein können, sondern gab auch Anlass, über Mut, Freundschaft, Ausgrenzung, Zivilcourage und die Verantwortung des Erinnerns nachzudenken.

Ein besonderer Dank gilt außerdem dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, hr2-kultur und dem Förderverein des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums für ihre Unterstützung. Durch diese Förderung konnte die Lesung für unsere Schülerinnen und Schüler ermöglicht werden.

Hier einige Eindrücke von der Lesung:

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