Vom 26. bis 27.08.2026 fand für die Jahrgangsstufe Q3 im Zuge des Deutsch- und Geschichtsunterrichts die diesjährige Weimar- und Buchenwaldfahrt statt.
Seit Jahren fährt das KFG bereits mit der Oberstufe dorthin und besucht diese beiden Orte, um den Schülerinnen und Schülern neben dem Unterricht im Klassenzimmer eine greifbarere Erfahrung zu ermöglichen. Um 6 Uhr morgens ging es am Mittwoch für uns los. Etwa 130 müde Schülerinnen und Schüler und ihre Deutsch- sowie Geschichtskursleiter machten sich in drei Bussen auf den Weg nach Weimar. Bei unserer Ankunft um zehn Uhr teilten wir uns in unsere Deutschkurse auf, um mit ihnen den Tag zu verbringen und die Stadt Weimar zu erkunden.
In Zweiergruppen hatten wir jeweils Stationen für eine gemeinsame Stadtführung vorbereitet, die den Fokus auf die Geschichte und das kulturelle Erbe Weimars legen sollte. Wir lernten unter anderem etwas über den Bauhaus-Stil und über bekannte Persönlichkeiten der Literatur, vor allem Goethe, Schiller und Herder.
Anschließend besuchten wir das Goethe-Haus. Dort hatten wir die Chance, das Wohnhaus, in welchem Johann Wolfgang von Goethe einst mit seiner Familie gelebt hat, eigenständig zu erkunden. Mithilfe eines Audioguides erhielten wir zu all den verschiedenen Räumen zusätzliche Informationen.
Einige Kurse nutzten auf Empfehlung auch den Kinder-Audioguide, der es ermöglichte, mit Goethes Sohn August und seinem magischen Pferd durch das Haus zu reisen und viele authentische Eindrücke aus seiner Perspektive zu gewinnen.
Mit einer Führung wurden wir außerdem durch das anliegende Goethe- Nationalmuseum begleitet. Dort lernten wir viel über Goethes Leben und sein Wirken abseits der Literatur. Als leidenschaftlicher Sammler besaß er zum Beispiel eine umfangreiche Kollektion an Kunstobjekten, die man auf ca. 26.000 Stück schätzt, und legte die Grundsteine für die heutige Farblehre.
Diese Programmpunkte dauerten inklusive der Mittagspause bis 16:45 Uhr. Daraufhin trafen wir uns wieder an den Bussen, um zu den Jugendherbergen zu fahren beziehungsweise zu laufen. Die Mädchen und Jungs waren in zwei verschiedenen Unterkünften untergebracht und bezogen dort erstmal ihre Zimmer.
Danach blieben uns einige Stunden Freizeit, die wir mit verschiedenen Aktivitäten gestalten konnten. Während ein Teil des Jahrganges abends noch verschiedene Theaterangebote besuchte, erkundeten andere gemeinsam die Stadt oder erbrachten einen entspannten Abend mit Kartenspielen in der Jugendherberge.
Am Donnerstagmorgen packten wir unsere Taschen und machten uns um neun Uhr auf den Weg in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Dort angekommen waren einige von uns überrascht zu sehen, wie idyllisch die umliegenden Wälder wirkten. Dies ließ uns schmerzhaft bewusst werden, dass die Menschen, die einst in Buchenwald gefangen waren, die Natur um sich herum mit Sicherheit nicht auf diese Weise erleben konnten. Zunächst wurde uns ein kurzer Film über die Geschichte Buchenwalds mit Erzählungen von Zeitzeugen vorgespielt. Dieser vermittelte uns allgemeine Informationen, die wir bereits im Geschichtsunterricht gelernt hatten, aber auch neue Eindrücke dreier Menschen, die die vergangenen Schrecken am eigenen Leib ertragen hatten. Im Anschluss daran stand für die einzelnen Geschichtskurse jeweils eine dreistündige Führung auf dem Programm. Fünf Guides begleiteten uns durch das Gelände des Konzentrationslagers, wobei jeder von ihnen unterschiedliche Schwerpunkte setzte. Da unsere Zeit begrenzt war, konnten wir leider nicht alles sehen und erfahren, was es zu erfahren gäbe. Dennoch wurden uns an verschiedenen Orten im früheren SS-Bereich sowie auch dort, wo früher die Baracken für die Häftlinge standen, die man inzwischen nur noch erahnen kann, Unmengen an Informationen vermittelt. So lernten wir zum Beispiel alle die entmenschlichenden Lebensbedingungen der damaligen Gefangenen Buchenwalds kennen. Zudem sahen wir das Krematorium und die Genickschussanlage. Innerhalb der Gruppen ist uns die Stille aufgefallen, als wir die Räume betraten, in denen früher unzählige Menschen ihr Leben verloren haben oder nach dem Tod verbrannt wurden. Ihre Überreste wurden achtlos, teils nicht einmal vollständig zu Asche geworden, im Wald entsorgt. Die Bilder der Leichenhaufen gingen uns sehr nahe und die Bedrückung stand vielen von uns ins Gesicht geschrieben, als wir uns an Orten aufhielten, die von vergangenen Gräueltaten gezeichnet sind.
Auch die Geschichten einzelner Personen berührten uns tief. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist das von Paul Schneider, einem evangelischen Pfarrer, der auch als „Prediger von Buchenwald“ bekannt wurde. Als er sich weigerte, die Hakenkreuzfahne durch das Abnehmen seiner Mütze zu ehren, wurde er in den Arrestzellenbau, auch „Bunker“ genannt, gesperrt. Dort lebte er in Einzelhaft unter noch grausameren Bedingungen als zuvor, wurde von der SS gefoltert und fand schließlich, immerzu an seinem Glauben festhaltend und anderen Häftlingen Mut zusprechend, sein Ende. Seine Geschichte empfanden wir als besonders tragisch, aber auch inspirierend, da es einer immensen inneren Stärke bedarf, sich unter diesen Umständen nicht brechen zu lassen. Eine weitere Geschichte, die uns sehr erschütterte, ist die der Frauen im Lagerbordell. Es wurden 19 Frauen aus einem anderen Lager unter falschen Verbrechen dorthin gelockt. Doch anders als zunächst vermutet, dienten sie nicht den SS-Männern, sondern Häftlingen, die aus der Sicht der SS besonders kooperativ waren.
Einen Schein für das Bordell konnte man sich durch „gute“ Arbeit verdienen – etwa indem man Mithäftlinge denunzierte – und somit den Status eines privilegierten Häftlings erlangen. Nach einer medizinischen Untersuchung durften diese Männer dann das Bordell besuchen. Das zeigte uns erneut die grausame Hierarchie und die Ausbeutung auch unter den Häftlingen, die in vielen Facetten des Lageralltags sichtbar wurden, wie hier am Beispiel besagter Frauen. All diese Frauen überlebten das Lager, wurden allerdings später kaum als Zeitzeuginnen wahrgenommen. Ihre Erlebnisse waren auch für andere Überlebende oft mit Scham verbunden und wurden daher häufig verdrängt. Dies sollte ihren Status als Überlebende nicht schmälern, doch ihre Stimmen fanden lange Zeit kein Gehör.
Nach der Beendigung der Führung gab es zum Schluss noch einmal Zeit für alle, sich die dauerhafte Ausstellung anzusehen, die sich über drei Stockwerke erstreckte. Mit unserem nun vertieften Wissen über das Konzentrationslager Buchenwald konnten wir viele Artefakte einordnen. Neben Briefen, Abschriften und Fotos gab es dort auch viele Gegenstände aus der Zeit des Nationalsozialismus, darunter Mutterkreuze, einige gusseiserne Becher der Gefangenen des Lagers sowie Möbel, die sie während ihrer Inhaftierung anfertigten. Besonders eindrücklich waren unter anderem die heimlich von Häftlingen hergestellten Objekte, die bis heute erhalten sind sowie auch die Geschichten, die untrennbar mit ihnen verwoben bleiben.
Die Ausstellung war für uns sehr aufschlussreich und brachte uns das Gelernte noch einmal näher. Leider reichte die Zeit bei Weitem nicht aus, um alles zu betrachten. Daher mussten wir eine Auswahl treffen, was wir uns ansehen und durchlesen konnten – eine schwierige Entscheidung angesichts der vielen bedeutsamen Exponate.
Nach 16 Uhr hatten wir es alle wieder zurück zu den Bussen geschafft und waren bereit für die Rückreise. Auf der Fahrt zurück haben wir bei jedem Lacher und jeder sorglosen Unterhaltung Dankbarkeit empfunden und uns mit Empathie an die Millionen Menschen erinnert, die damals nichts zu lachen hatten.
Der Tag in Buchenwald hat uns gelehrt, was für ein Privileg es ist, dass wir ohne große Ängste und Sorgen leben können und welche Grauen entstehen können, wenn ein Teil der Gesellschaft nicht mehr in Freiheit leben kann. Er hat dabei geholfen, die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten besser verstehen und die Zeit der Häftlinge in dem Konzentrationslager etwas nachvollziehen zu können.
Wir haben sehr eindrücklich bemerkt, wie wichtig es ist, unsere Demokratie zu schützen und die Rechte aller Menschen zu bewahren. Am Ende kamen wir alle sehr erschöpft und auch leicht bedrückt nach Hause und werden mit Sicherheit noch sehr lange an den Tag in Buchenwald denken.
Insgesamt war diese Exkursion sehr lehrreich. Zum einen konnten wir noch mehr über Weimar und auch Goethe erfahren, der uns schon in der Q2 sehr intensiv begleitet hat, als wir Faust I gelesen haben. Zum anderen erhielten wir einen Einblick in dieses traurige und unvergessliche Kapitel unserer Geschichte und erlebten es noch intensiver. Diese beiden Tage stellen einen starken Kontrast zueinander dar, der auch damals schon bestand. Die Gräueltaten des NS-Regimes, die in Laufweite zur Kulturstadt Weimar geschahen, ließen die Verbrechen noch perfider wirken. Unsere Fahrt war also nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine Erinnerungdaran, dass wir die Verantwortung dafür tragen, die Stimmen der Opfer zu bewahren, damit ihre Geschichten niemals verstummen.
Mariem Cheikh und Jette Gerdes, Q3
