Am 15.04.2026 fand am KFG zum ersten Mal ein Sportvortrag mit dem Titel „Sport im Jugendalter – Power mit Köpfchen“ für alle Klassen des 9. Jahrgangs statt. Dazu wurden seitens der Arbeitsgruppe „Bewegung & Wahrnehmung“ zwei erfahrene Experten eingeladen, die wissenschaftliches Wissen und praktische Erfahrung ideal miteinander verbinden: Frau Dr. Claudia Walther und Herr Jan Sauer.
Dr. Claudia Walther hat Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert und sich bereits früh intensiv mit Herzmedizin und Sport beschäftigt. Sie promovierte an der Universität Leipzig zu einem kardiologischen Forschungsthema und habilitierte sich später mit einer Arbeit über den Einfluss von täglichem Sportunterricht auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Schulkindern. Heute ist sie als Kardiologin und Wissenschaftlerin tätig und zeigte beim Vortrag unter anderem, was Sport aus medizinischer Sicht im Körper bewirkt – und warum Bewegung gerade im Jugendalter so entscheidend ist. Jan Sauer hat ein Studium der Sportwissenschaften absolviert, ist gegenwärtig als Personal Trainer und Ernährungscoach tätig und brachte beim Vortrag die praktische Perspektive ein. Dabei zeigte er, wie man Training sinnvoll in den schulischen Alltag integrieren kann – insbesondere im Bereich Kraftsport und Ernährung.
Der Vortrag diente dazu, die Schülerinnen und Schüler für das Thema Sport und Bewegung zu sensibilisieren, offen darüber zu sprechen und sie zum lebenslangen Sporttreiben zu motivieren. Der Vortrag begann mit der Einstiegsfrage, wer von den Anwesenden an diesem Tag bereits Sport getrieben hatte. Dabei zeigte sich erstaunlicherweise, dass viele Schülerinnen und Schüler bereits vor der Schule sportlich aktiv waren, sei es durch die Fahrradtour zur Schule oder eine kleine Joggingrunde, um wach zu werden und aktiv in den neuen Tag zu starten. Das Resultat der Befragung widerspricht teilweise den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen, die oft während der ersten beiden Stunden eher passive und geistig noch recht abwesende Schülerinnen und Schüler wahrnehmen, die man am besten durch einen bewegten Einstieg („Jetzt geht es los!“) aktivieren kann.
Auf die Frage, warum Jugendliche Sport treiben, wurden Selbstbewusstsein, ein gutes Aussehen und häufig auch Gesundheit genannt. Es ist lobenswert, dass sich bereits im Jugendalter viele Schülerinnen und Schüler Gedanken über ihre Gesundheit machen. Anscheinend folgen viele von ihnen dem Ausspruch des römischen Dichters Juvenal, der in seinem Werk Satiren formulierte: „Mens sana in corpore sano“, was wörtlich übersetzt bedeutet: „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. Die Erfahrung zeigt, dass sportliche Aktivität glücklicher macht. Dies wird auch wissenschaftlich durch die Ausschüttung von Endorphinen (Glückshormonen) bestätigt.
Nach dem Messen des Ruhepulses, der bei einem Durchschnittsmenschen gewöhnlich zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute liegt und bei einem Profi-Rennradfahrer deutlich darunter, teilweise bei etwa 30 Schlägen pro Minute, wurde durch einminütiges schnelles Joggen auf der Stelle ein Belastungspuls erzeugt, der bei den meisten deutlich über 100 Schlägen pro Minute lag. Der Vortrag war alles andere als passiv – so wurden bei einem Sport-Quiz Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden konnten, durch Übungen beantwortet: „Ja“ bedeutete zehn aktive Kniebeugen und „Nein“ ein isometrisches Halten in der Kniebeuge.
In einer Studie zeigte Frau Dr. Walther deutlich, dass die körperliche Aktivität bereits ab dem frühen Kindesalter stetig abnimmt, während das Sitzverhalten aufgrund der Lebensweise deutlich zunimmt. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, möglichst viele Bewegungssituationen in den Alltag zu integrieren. Eine weitere Studie machte deutlich, warum es wichtig ist, sich im Leben viel zu bewegen und dass Bewegung wesentlich zum Erhalt der physischen Gesundheit beiträgt.
Bei der sogenannten London Bus Study wurden in den späten 1940er- und 1950er-Jahren rund 30.000 Angestellte des Londoner Nahverkehrs – vor allem Busfahrer und Schaffner – untersucht. Der entscheidende Unterschied bestand darin, dass die Busfahrer fast den ganzen Tag am Steuer saßen, während die Schaffner (Conductors) ständig durch den Bus liefen, Treppen hoch- und herunterstiegen (bei Doppeldeckerbussen) und Tickets kontrollierten. Die Studie zeigte klar, dass Schaffner deutlich seltener an Herzkrankheiten und Herzinfarkten litten, während Busfahrer aufgrund des deutlich höheren Risikos – teils etwa doppelt so hoch – häufiger an Herzinfarkten starben. Bewegung im Alltag wirkte somit schützend für das Herz, während langes Sitzen das Risiko deutlich erhöhte. Diese Erkenntnis zeigte erstmals wissenschaftlich, dass Bewegung im Alltag Herzkrankheiten vorbeugen kann.
„Sport verlängert das Leben – hoffentlich nicht nur um die Stunden, die man im Fitnessstudio verbringt.“
Ein Highlight war ein videografierter Ausschnitt einer Operation am offenen Herzen. Darüber hinaus wurde anhand von Bildern eine Operation gezeigt, bei der Stents in durch Cholesterin-Plaques verengte Koronararterien eingesetzt werden. Die Stents sorgen dafür, dass die Koronararterie wieder durchlässig wird und das Blut ungehindert fließen kann. Herr Sauer zeigte verschiedene Übungen, die sowohl im Fitnessstudio als auch zu Hause durchgeführt werden können und einen direkten Alltagsbezug haben. Dazu gehörten beispielsweise Ausfallschritte, die beim Tennis eine wichtige Rolle spielen, sowie die Übung Kreuzheben, die auf das alltägliche Heben von Gegenständen vorbereitet und die entsprechenden Muskelgruppen stärkt.
Zudem wurde das Thema gesunde und ungesunde Ernährung aufgegriffen. Dabei wurde deutlich, dass Nahrungsergänzungsmittel wie Proteinpulver nicht grundsätzlich schädlich sind, solange sie nicht in übermäßigen Mengen konsumiert werden. Um sich gesund zu ernähren, sollte man etwa 1,25 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Möchte man Muskeln aufbauen, kann die Proteinmenge auf etwa 2 g pro Kilogramm Körpergewicht gesteigert werden.
Dass dieser Vortrag gelungen war, zeigte sich daran, dass direkt nach dem Ende des Vortrags zahlreiche Schülerinnen und Schüler sowie auch einige Lehrkräfte bei den Referenten blieben, um ihnen viele Fragen zu stellen und dafür sogar auf ihre Pause verzichteten.
Ein herzlicher Dank gilt den beiden Referenten für den informativen, spannenden und interaktiven Vortrag sowie Frau Paul (Förderverein und Steuergruppe „Bewegung & Wahrnehmung“) für die Organisation des Vortrags.
