Theaterregisseur zu Besuch im Deutsch-LK

Theaterregisseur zu Besuch im Deutsch-LK

Praxiserfahrungen aus erster Hand: Theaterregisseur zu Besuch im Deutsch-LK

Am Mittwoch, den 26.11.2025, bekam der Deutsch-Leistungskurs der Q1 Besuch vom Dramaturgen und Theaterregisseur Michael Steindl, der von seiner aktuellen Arbeit an der Inszenierung des Kleist-Klassikers „Der zerbrochne Krug“ berichtete.

Steindl ist seit 2004 Intendant des Schauspiels am Theater Duisburg, das einen besonderen Schwerpunkt auf die Theaterarbeit mit jungen Menschen legt. Doch wie kam es dazu, das Stück „Der zerbrochene Krug“ auf die Bühne in Duisburg zu bringen?

Der Grundgedanke dahinter: Junge Menschen, Kleist-Begeisterte und Theaterfans anzulocken. So begann die Suche nach einer adäquaten Umsetzung. An deren Anfang stand die Suche nach einer passenden Besetzung. Um den Zuschauern das Stück verständlicher zu machen, modernisierte Steindl einige veraltete Ausdrücke. Außerdem wurden Szenen und auch Figuren gestrichen, um die Spieldauer auf eine Stunde und vierzig Minuten zu beschränken und die Aufmerksamkeitspanne des jungen Zielpublikums nicht zu sehr zu fordern. In den Endproben spielte dann auch die technische Umsetzung im Zusammenspiel von Ton und Licht eine große Rolle.

„Was trägt das für das Ganze bei?“ – Diese Frage begleitete ihn während der gesamten Arbeit und Vorbereitung. Besonders im Fokus standen dabei die Themen Amtsmissbrauch und Gerechtigkeit.

In der Inszenierung spielt der titelgebende Krug nicht nur als Requisit eine Rolle. Bühnenbildner Bee Hartmann hat für Steindls Inszenierung den gesamten Bühnenboden mit zerbrochenen Spiegelscherben versehen. Die ganze Welt ist „zerbrochen“. Die richtige Mischung von Tragödie und Komik zu finden, das machte für ihn auch einen besonderen Reiz im Umgang mit Kleist Text aus, erläuterte Steindl. Kleist hat ein Lustspiel geschrieben und Dorfrichter Adam ist für jeden Komödianten eine Steilvorlage. Aber im Kern geht es um sexuelle Nötigung und den Versuch einer Vergewaltigung. „Man muss einen Ritt über die Rasierklinge machen“, erklärte er den Schülern und zeigte damit den schmalen Grat, welchen Kleist beabsichtigt hatte.

Nach sieben Wochen intensiver Proben fand am 21. November 2025 schließlich die Premiere am Schauspiel Duisburg statt. Vierzehn Aufführungen sind nun im Programm vorgesehen – fast alle davon bereits ausverkauft.

Steindls Ziel für das gesamte Stück war es, „Einschnitte zu bewirken, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt.“

Und somit waren für die Schüler die vielen Fragen, die sie gestellt hatten, beantwortet und die Lust auf Theater in ihnen geweckt.

Erika Roeder Vicente

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