Am 9. September 2025 fand in Bad Homburg eine besonders feierliche Stolpersteinverlegung statt, bei der der renommierte Künstler Gunter Demig fünf Stolpersteine für die Familie Rothschild verlegte. Die Veranstaltung bot einen würdigen Rahmen, um das Schicksal einer Familie zu erinnern, die in der Stadt eine bewegte Geschichte hinterlassen hat. Ellen Rothschild wuchs in den 1920er- und 1930er-Jahren in Bad Homburg auf. Ihre Mutter, Bella Rothschild, setzte alles daran, ihre Kinder Edith, Fritz und Ellen sowie weitere Familienmitglieder aus den Fängen des nationalsozialistischen Regimes zu retten. Bella Rothschild selbst konnte nicht entkommen und fiel dem Holocaust zum Opfer; sie wurde deportiert und kam im Ghetto Łódź ums Leben. Ellen Rothschild gelang es, zahlreiche Fotografien, Dokumente und persönliche Aufzeichnungen zu sichern, die das Leben ihrer Familie in Bad Homburg anschaulich dokumentieren.
Für die Stolpersteinverlegung reiste ihr Sohn, Philip Chudy aus Kalifornien, an. Anlässlich dieser Veranstaltung präsentierte er eine bewegende Sammlung von Fotografien, Jugendzeichnungen, persönlichen Briefen und Impressionen vom Fortbestehen der Familie. Die Ausstellung, die Philip Chudy eröffnete und erläuterte, bot einen tiefgreifenden Einblick in das Leben der Familie Rothschild und die Tragik ihrer Geschichte.
Die Feier wurde durch den Stadtverordnetenvorsteher Dr. Alfred Etzrodt eröffnet. Oberbürgermeister Alexander Hetjes richtete ein Grußwort an die Anwesenden, und als Gastredner trat Aalon Meyer, Präsident des jüdischen Sportbundes Makkabi, auf. Musikalisch bereichert wurde die Veranstaltung durch Grego Praml, der auf seinem E-Bass ungewöhnliche, eindrucksvolle Klänge präsentierte. Bereits vor drei Jahren waren Stolpersteine für die Familie Ackermann verlegt worden; deren Nachfahren nahmen in diesem Jahr erneut teil, diesmal zu fünft, und ergänzten die Veranstaltung mit persönlichen Worten. Die begleitende Broschüre wurde kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Ein besonderer Höhepunkt der Verlegung war die Beteiligung der KFG-Schülerinnen und Schüler der Q3 des Kurses von Frau Holstein, die die Veranstaltung in der Volkshochschule begleiteten und so einen wertvollen Beitrag zur Erinnerungskultur leisteten.
Die Verlegung der Stolpersteine für die Familie Rothschild ist weit mehr als ein Akt des Gedenkens: Sie verpflichtet uns, die Geschichte wachzuhalten, die Erinnerung lebendig zu bewahren und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.
Anne-Marie Holstein
