Zeitgeschichte hautnah – Lesung mit Maja Nielsen und Zeitzeuge Thomas Raufeisen

Zeitgeschichte hautnah – Lesung mit Maja Nielsen und Zeitzeuge Thomas Raufeisen

Am 8. September hatten die Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium die besondere Gelegenheit, Literatur und Zeitgeschichte in einer eindrücklichen Lesung zu verbinden. Zu Gast waren die preisgekrönte Autorin Maja Nielsen sowie der Zeitzeuge Thomas Raufeisen. Vorgestellt wurde Nielsens neuestes Buch „Das falsche Leben“, das nicht nur spannend erzählt, sondern auf eindringliche Weise „echte Geschichte“ vermittelt und die Jugendlichen zurückführt in die 1980er-Jahre – in das geteilte Deutschland.

Maja Nielsen ist seit vielen Jahren bekannt für ihre lebendigen und gründlich recherchierten Sachbücher, in denen sie historische Themen fesselnd aufbereitet. Schon im vergangenen Jahr begeisterte sie am KFG mit der Lesung über einen Tunnelbauer unter der Berliner Mauer. Auch diesmal zog sie die Schülerinnen und Schüler durch ihre packende Vortragsweise sofort in den Bann. Ihre Lesepassagen machten deutlich, wie sie Raufeisens persönliche Erfahrungen in eine erzählerische Form bringt, die Geschichte begreifbar und mitfühlbar macht.

Thomas Raufeisen, heute in der politischen Bildungsarbeit tätig, berichtete anschließend eindringlich von seinem eigenen Leben. 1981 fand er sich – völlig überraschend – in Ost-Berlin wieder, nachdem sein Vater ihn und die Familie in die DDR gebracht hatte. Von der Neubauwohnung mit Blick auf die Berliner Mauer und den Axel-Springer-Turm erzählte er ebenso wie von der Unmöglichkeit, echte Freunde zu finden, da überall Misstrauen herrschte. Besonders eindrucksvoll schilderte er seine Zeit in Untersuchungshaft: die Enge, das tägliche halbstündige Kreislaufen im winzigen Freigangshof, und schließlich den Prozess, dessen Urteil schon feststand, bevor er überhaupt begann. Im Zusammenspiel von Nielsens mitreißender Lesung und Raufeisens Zeitzeugenbericht entstand ein dichtes Bild der deutsch-deutschen Geschichte, das die Schülerinnen und Schüler spürbar bewegte. Viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und erfuhren so, wie sich politische Systeme unmittelbar in einem individuellen Schicksal niederschlagen können.

Am Ende brachten es die Jugendlichen selbst auf den Punkt:

„Es war spannend, Geschichte einmal so persönlich erzählt zu bekommen – das vergisst man nicht so schnell.“ (Schülerin, Jg. 9)

„Durch die Lesung und die Erzählungen von Herrn Raufeisen habe ich viel besser verstanden, wie sich das Leben in der DDR wirklich angefühlt hat.“ (Schüler, Jg. 9)

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie lebendig Geschichte wird, wenn Literatur und persönliche Erinnerung zusammenkommen – ein Erlebnis, das die Jugendlichen sicher noch lange begleiten wird. Die Lesung fand im Rahmen des Literaturfestivals Leseland Hessen statt – mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, hr2-kultur und dem KFG-Förderverein. Herzlichen Dank für die Unterstützung, um diese Lesung zu ermöglichen!

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